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Fakten, Gesellschaft, Nebenwirkungen

Zieht Euch warm an, liebe Pendler!

Achtung_Satire_noZugegeben. Ich war schon überrascht. Höre ich heute morgen im Radio einen „Mobilitätsforscher der Uni Mainz“ zum Thema Berufspendeln. Selbstredend sprach dieser nicht für Pendeln. Doch kein Wort zum Killerargument CO2-Ausstoß des Pendlerverkehrs.

Lediglich eine Andeutung, dass einem kurzfristigen finanzielle Nutzen des einzelnen Pendlers langfristige globale negative Folgen gegenüber stehen würden. Also die übliche, willige Plattitüde ohne substantiellen Beleg. Mal eben so in den Raum gestellt. Wenn man es nur lange genug wiederholt, glaubt es irgendwann jeder. Welchen auch immer gearteten „finanziellen Nutzen“ Pendler aus der morgendlichen Qual durch den Berufsverkehr ziehen, bleibt unbeantwortet. Dabei pendeln Berufstätige bekanntermaßen aus weitaus anderen als finanziellen Gründen.

Nächstes Argument gegen Pendeln: es verursache Stress und verkürze die Lebenserwartung. Vor allem die von Männern. Ja wie jetzt? Nun verkürzt auch noch das Pendeln meine Lebenserwartung? Also, jetzt wird es langsam wirklich eng. Wenn ich all die wissenschaftlich errechneten Lebenszeitverkürzungen durch die unterschiedlichsten Faktoren einmal zusammen rechne, dann bin ich langsam voll im Minus.

Ich selber muss auch sagen, ich fühle mich eigentlich gar nicht gestresst beim Pendeln. In der Regel zumindest nicht mehr als sonst am Tag, in der Regel sogar weniger. Es sei denn natürlich, man wird einmal unerwarteterweise von solche oberflächlichen, belehrenden Pseudo-Weisheiten und urbanen Mythen wie heute Morgen belästigt. Naja, ich habe ja jederzeit die Möglichkeit, auf CD umzuschalten.

Und überhaupt. Warum eigentlich Pendeln? Soll doch jeder dort wohnen, wo er arbeitet. Dann wäre das Problem gelöst. Den bevormundenden Aspekt dieses Arguments ignoriere ich jetzt der Einfachheit halber mal. Doch ich wage zu behaupten, dass dies mich dann tatsächlich stressen würde, wenn mir meine lieben Kollegen (von denen ich die meisten wirklich sehr schätze, aber zugegebenermaßen nicht alle, sorry) auch noch im Feierabend und am Wochenende über den Weg laufen würden, weil wir durch die Arbeitsortnähe automatisch alle nahe beieinander wohnen würden. Davon abgesehen, dass gerade vor kurzem veröffentlicht wurde, dass das urbane Leben (und auch dies wäre bei arbeitsortnahem Wohnen für viele zwangsläufig) den Grundstresspegel erhöht und – surprise, surprise, surprise – die Lebenserwartung senkt. Tja. Teufel und Beelzebub.

Schließlich folgte in den Ausführungen des „Mobilitätsforschers“ der argumentative ‚burner‘: Pendler schotten sich quasi „doppelt autistisch“ in ihrem Auto ab. Ei, ja! Genau! Prinzip erkannt. Das Abschalten tut nämlich saugut! Baut übrigens Stress ab. Wie oben schon angedeutet, gerne auch einmal „dreifach autistisch“, wenn ich von Radio auf CD umschalte, weil mir ein „wissenschaftlicher Experte“ Lebenszeit klaut. In einer immer hektischer werdenden Welt, in der Omniverfügbarkeit immer mehr zur Erwartungshaltung wird, ist es für mich nur noch eine Frage der Zeit, bis eine wissenschaftliche Studie den erholsamen Effekt des sich Zurückziehens während des Berufspendelns belegen wird.

Übrigens war für mich persönlich die Möglichkeit, mich zurückziehen zu können, ein entscheidender Grund, nach 1 Jahr versuchsweisem Pendeln per Bahn wieder auf das Auto umzusteigen. Trotz deutlich höherer Kosten. Aber die substanzielle Geldeinsparung wog für mich persönlich den nahezu täglichen Stresspegel beim regelmäßigen Bahnfahren nicht auf.

Nachdem sich nun ein „Argument“ nach dem Anderen in Luft auflöst, ist wohl zu erwarten, dass am Ende irgendwann doch noch die CO2-Karte gezogen werden wird. Dann zieht Euch mal warm an, liebe Pendler! Aber nicht wegen Klimaveränderungen.

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  1. Pingback: Die Fahrt zum Bäcker ist kein Spaziergang « Ökodiktatur - 31. August 2012

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