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Mythen

Mythos Nachhaltigkeit

Achtung_Satire_no„Nachhaltigkeit“ ist ein Schlagwort, das im Kontext Weltrettung immer wieder mal gerne verwendet wird

Ich bin mir sicher, Sie wissen sofort, worum es geht! Nachhaltigkeit. Ja, ist doch klar. Nachhaltigkeit ist gut. Nachhaltigkeit ist wichtig. Ohne Nachhaltigkeit geht gar nichts. Denn Nachhaltigkeit steht für … … … tja, für was denn eigentlich?

Ich möchte Sie einmal zu einem kleinen Experiment einladen. Stellen Sie einmal Menschen in Ihrem Freundeskreis, in der Schule, am Arbeitsplatz oder auf der Strasse überraschend folgende zwei Fragen … nacheinander. 1. Wie stehst Du zu „Nachhaltigkeit“? 2. Was ist „Nachhaltigkeit“, was bedeutet dieses Wort?

Ich spekuliere jetzt einfach mal, dass nahezu 100% der Befragten sehr schnell antworten werden, dass sie Nachhaltigkeit „gut finden“. Aber bei der zweiten Frage, was Nachhaltigkeit denn eigentlich sei, werden sie wahrscheinlich zuerst stutzen, müssen nachdenken, und dann entweder keine Antwort haben oder die Antworten werden voneinander abweichen.

Nein, Sie müssen sich nicht wundern, dass Menschen manchmal Dinge gut finden, von denen sie eigentlich gar keine Ahnung haben. „Nachhaltigkeit“ ist einfach eines von vielen „buzz words“, ein Schlagwort mit austauschbarem Inhalt, ein politischer Kampfbegriff, der nicht zum Nachdenken provoziert. „Nachhaltigkeit“ lässt sich jederzeit sinnfrei in den eigenen Wortschwall einstreuen, und alle finden es gut. Da aber keiner genau weiss, was es eigentlich ist, kommen auch keine entlarvenden Nachfragen.

Falls es Sie nun reizen sollte, doch einmal die Nervensäge zu sein, die fundierte und deshalb störende Fragen stellt, dann ist die folgende Info sicher spannend. Der Begriff „Nachhaltigkeit“ kommt ursprünglich aus der Forstwirtschaft und beschreibt die Strategie, durch ein gezieltes Schema der Abholzung und Aufforstung einen langfristig konstanten möglichst hohen Holzertrag zur erwirtschaften. „Nachhaltigkeit“ ist also kein ökologischer Begriff, sondern ein ökonomischer (Ok, das waren jetzt gleich zwei schwere und auch noch so ähnlich klingende Worte in einem Satz). Nachhaltigkeit hat mit freilaufenden Urwäldern nichts zu tun, sondern beschreibt dauerhaft gewinnbringende Waldwirtschaft. Dementsprechend kann man sogar problemlos bestimmte Methoden der Regenwaldabholzung als nachhaltig bezeichnen

Jürgen Bauer schreibt in den Informationen zur politischen Bildung Nr. 310/2011: „Der Preis für die weltweite Zustimmung zum  Leitbild der Nachhaltigkeit ist ein hohes Maß an begrifflicher Unschärfe, das vielfältige Interpretationsmöglichkeiten zulässt und eine nahezu beliebige Verwendung des Nachhaltigkeitsbegriffs als allgegenwärtiges politisches Schlagwort ermöglicht.“

Übrigens, falls Sie der Versuchung erlegen sein sollten, selbst der Wikipedia-Eintrag zur „Nachhaltigkeit“ ist mittlerweile politisch-korrekt angepasst, und ein gutes Beispiel für die inhaltliche Schwächen Wikipedias bei politischen und Mode-Themen.

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