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Fakten, Nebenwirkungen

Macht Honig dumm?

Achtung_Satire_noNein, natürlich macht Honig nicht dumm! Aber er kann offensichtlich für den Versuch missbraucht werden, Andere verdummen zu wollen.

Dieser Tage urteilte der Europäischen Gerichtshof über eine Klage eines bayerischen Imkers. Dieser hatte Bienenstöcke nahe eines Maisfeldes aufgestellt, auf denen gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut wurden. Und – „Oh Staun, oh Wunder“ – anschliessend fand er tatsächlich Pollen des Genmaises in seinem Honig. Und klagte.

Jetzt mag der nüchtern denkende Mensch ob der Aufregung erstaunt sein, und könnte naiv nachfragen, „Warum stellt der denn seine Stöcke auch genau dort hin? … Darf er sich ja nicht wundern!“ Hat der bayerische Imker ja auch nicht, sich gewundert. Und naiv war er auch nicht. Er hat einfach nur bewiesen, was er beweisen wollte. Wenn man einen Bienenstock in Reichweite eines Feldes mit Genmais stellt, sammeln die Bienen die Pollen von dort eben auch mit ein. Quod erat ad demonstrandum.

Das ist auch an sich gar nicht schlimm. Denn Pollen von Genmais wirken sich weder auf den Geschmack des Honigs aus, noch schaden sie in irgendeiner Form. Aber! Honig = „Bio“. Bienen = „Bio“. Und „Bio“ ist gut. Gentechnologie ist zwar eigentlich auch voll und ganz „Bio“, denn sie verwendet ausschliesslich biologische Werkzeuge. Aber sie darf nicht so genannt werden, denn sie ist böse … irgendwie. Also quasi böses Bio, ähnlich wie schlechtes Karma. Und darum darf sie nicht „Bio“ genannt werden.

Ergebnis der G’schicht‘. Der Europäische Gerichtshof gab dem Imker recht. Nein, er war nicht einfach nur zu blöd, seine Bienenstöcke am falschen Platz aufzustellen, was man an anderer Stelle wohl Fahrlässigkeit nennen würde. Nein, es spielt auch keine Rolle, dass er die Stöcke mit Absicht in die Nähe des Genmaises aufstellte, was man an anderer Stelle wohl Vorsatz nennen würde. Genmais ist böse. Und damit dessen Pollen auch. Und davor müssen wir alle beschützt werden. Der arme Genpollen hat zwar noch nie jemandem etwas zu Leide getan, aber Argumente spielen nun mal leider keine Rolle.

Maxeiner & Miersch schrieben es am 9. September 2011 in ihrer Kolumne in der WELT auf den Punkt …

Am Dienstag stellte sich der Europäische Gerichtshof schützend vor die Verbraucher. Honig darf nicht mehr verkauft werden, wenn er Pollen von gentechnisch verbesserten Ackerpflanzen enthält. Allerdings ist noch nie ein Mensch dadurch zu Schaden gekommen, obwohl Millionen in aller Welt solchen Honig essen. Auch der Großteil des hierzulande verkauften Honigs stammt aus Amerika, wo der Anbau von Gentechnikpflanzen die Regel ist. Doch ein bayerischer Imker sah seinen Honig in Gefahr, weil einige seiner Bienen sich auf ein Versuchsfeld verirrt hatten, auf welchem Gentechnik-Mais wuchs. Er bekam recht. Jetzt sind wir alle vor Genhonig geschützt.

Schutzlos waren dagegen die 4300 Menschen, die von Mai bis Juli bei der bisher schwersten Lebensmittelverseuchung seit Bestehen der Bundesrepublik infiziert wurden. 50 von ihnen starben. Da ging es nicht um Genpollen im Honig, sondern um Sprossen aus Bio-Bockshornklee. Diese Woche lasen wir dazu einen sehr aufschlussreichen Artikel in einer landwirtschaftlichen Fachzeitschrift. Der Agrarstatistiker Georg Keckl begründete darin seine These, dass die EHEC-Epidemie viel früher hätte eingedämmt werden können. Er schreibt: „Die Häufung von EHEC-Infektionen bei Vegetariern, insbesondere Vegetarierinnen, bei Veganern, bei Kunden, die nur im Bioladen eingekauft haben, hätte die Sperrung sämtlicher Bioprodukte in Deutschland zur Folge haben müssen, hätte man die gleichen Sperrungsmaßstäbe wie beim Dioxinskandal angewendet … Die Krankenhausbetten waren mit Vegetariern und Biokunden überfüllt, und nun reichte dieser Verdacht nicht, um nicht wenigstens ein paar Biogemüseerzeuger aus Norddeutschland, zu denen auch der Sprossenbetrieb bei Uelzen zählt, vorsorglich zu sperren?“ Keckl fragt: „Wurden Menschen auf dem Bioaltar geopfert?“ Die Überzeugung „an Bio kann nichts Böses sein“ blockierte nicht nur die behördliche Fahndung nach der Ursache, auch viele Medienvertreter vermieden es peinlich, die Silbe „Bio“ im Zusammenhang mit der Massenvergiftung zu nennen.

Das Medikament Soliris aus den USA, durch das einige der Schwerkranken doch noch gerettet werden konnten, wird übrigens gentechnisch hergestellt. Eigentlich eine Steilvorlage für Gentechnikgegner, denn es ist hierzulande nicht zugelassen. Hoffentlich kommt der Europäische Gerichtshof nicht dahinter.

(Ja, es ist wirklich nicht die feine Art, anderer Leute geistige Leistungen zu kopieren und ins eigene Blog zu setzen. Auf der anderen Seite sollte man nicht versuchen, Dinge, die bereits einfach nur gut sind, noch besser zu machen. Das Scheitern wäre vorprogrammiert, und es wäre schade um die vergebliche Mühe. Deshalb erlaube ich mir den Frevel einmal.)
 
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