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Ökodiktators Kolumne, Selbsthilfebuch Ökodiktatur

Ökodiktatur zum Selbermachen – Sei sentimental!

Ökodiktators Kolumnezu „Ökodiktatur – Anleitung zum Selbermachen“
Auf dem Weg zum Manuskript für ein realsatirisches Selbsthilfehandbuch

Warum stellen sich ältere Menschen zwischen Bagger und Parkbäume? Dieser konkrete Baum hat keinen besonderen ökologischen Wert. Zumindest keinen grösseren als der Wildstrauch, den sie am Wochenende zuvor in ihrem eigenen Garten aus der Erde zerrten, um Platz für einen neuen Rhododendron zu machen.

Also, warum kämpfen sie für diesen einzelnen Baum im Stadtpark?

Die Antwort ist eigentlich ganz einfach. Es geht nicht um Biologie, es geht um Gefühle! Menschen sind sentimental, sie mögen keine Veränderungen, sie schwelgen gerne in nostalgischen Erinnerungen. Sie wollen es heimelig und „so wie es immer gewesen ist“. Die Vergangenheit ist warm, die Zukunft ist kalt.

Grosseltern kämpfen für einen vermoderten und umgekippten Brachland-Teich, weil sie als Kinder schon darin gebadet haben und wollen, dass ihre Urenkel noch dasselbe erleben. Das hat mit Ökologie nichts zu tun, das ist ausschliesslich sentimental.

Ü50er tragen mit blossen Händen Laubfrösche über die Landstrasse, damit die auf der anderen Seite von den Störchen gefressen werden. Das macht keinen rationalen Sinn, das ist lediglich sentimental.

Erwachsene Menschen kämpfen für Kammmolch-Populationen im nordhessischen Bergland, weil die „schon immer“ da waren. Das ist biologischer Unsinn, aber … sentimental.

Da dürfen wir nicht nur ganz offen und ehrlich mit umgehen. Sondern das müssen wir sogar ganz aktiv einsetzen. Weisst Du, wie Du Menschen für ökologisch-korrekte Projekte mobilisieren kannst? Plakate – vergiss es! Argumente – Schnee von gestern! Nein, sag ihnen einfach, dass irgendetwas „anders“ wird. Dass unsere Nachkommen in einer anderen Welt leben werden etc. bla bla. Das ist zwar eine Binsenweisheit und ohnehin zwangsläufig, aber es geht ja um das dadurch erzeugt Gefühl.

Für Veränderungen lockst Du Menschen nur sehr schwer hinter dem Ofen hervor. Also dreh die Strategie um, und mobilisiere gegen Veränderungen. Ist alles nur eine Frage der Formulierung …

 

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Diskussionen

2 Gedanken zu “Ökodiktatur zum Selbermachen – Sei sentimental!

  1. Das ist keine übertriebene Sentimentalität. Die Menschen, die die beschrieben Dinge tun, setzen sich für Dinge, die ihnen wichtig sind (in diesen Fällen nach ihrer Meinung im Naturschutz) ein. Das ist nicht übertrieben. Den Menschen, denen es egal ist, dass 1000 Amphibien auf der Straße plattgefahren werden, DIE sind nicht zu verstehen meiner Meinung nach. Muss ja nicht jeder gleich ein Öko werden, aber ein bisschen Interesse an der Natur, in der er lebt, sollte jeder haben.
    Und nebenbei: Keiner, der sich im Amphibienschutz engagiert, weiß nicht, dass ein beträchtlicher Teil der Tiere von Reiher, Storch und Co. gefressen wird. Es fängt auch keiner der ja so furchtbar sentimentalen Menschen deswegen zu Heulen an. Im Gegenteil. Was bringt es dem Reiher, wenn die Kröten auf der Straße plattgefahren werden. Dann doch lieber als Futter enden und zum Erhalt des Ökosysthemes beitragen. Amphibienschutz macht deshalb sowas von Sinn!

    Ob es jetzt sinnvoll ist, gegen den Abriss eines Baumes zu protestieren, steht natürlich in Frage. Ein einzelner Baum weniger macht auch keinen Unterschied. Aber wenn es 1000x ein einzelner Baum ist, macht es sehr wohl einen Unterschied. Und wenn in genau diesem Baum das letzte Waldkauzpaar des Parkes brütet? Und in den anderen Bäumen des Parkes keine geeigneten Höhlen vorhanden sind, weil alle anderen alten Bäumen jungen weichen mussten? Dann gibt es keine Käuze mehr in diesem Park. Wer das bedauert, ist sentimental? Finde ich nicht!

    Genauso die Kammmolch-Population, die auszusterben droht: Wieso sollte man, wenn man Artensterben bedauert, als senitmental abgestempelt werden? Natürlich sind in der Erdgeschichte immer wieder Arten ausgestorben. Aber nicht durch den Menschen in so drastischer Art. Und es sind anstatt dessen andere Arten gekommen. Sind aber die Kammmolche weg, sind sie weg. Genaugenommen verdrängen die Menschen die Arten, was sonst andere Tierarten tun. Sterben immer mehr Arten aus, gerät das Gleichgewicht auseinander, immer mehr Arten sterben aus. Wenn man das bedauert, ist man nicht sentimetal. Einem liegt nur etwas an seinem Planeten und möchte, dass er intakt bleibt. Veränderungen passieren, klar. Aber die Veränderungen, die der Mensch auf dem Planeten auslöst, sind nicht normal, widersprechen den Naturgesetzen und sind nicht mit natürlichen Veränderungen zu vergleichen.

    Verfasst von Meggie | 1. März 2015, 19:07
    • Liebe(r) Meggie,

      danke für Deinen Kommentar, und erstmal sorry für die späte Antwort.

      Ehrlich gesagt finde ich die Begründung, Kröten zu retten, damit die Störche mehr zum Fressen haben, schon ein bissche schräg. 😉

      Darum geht es mir aber gar nicht. Ich bin der Meinung, dass es – wenn man das Gesamtökosystem Planet Erde betrachtet – überhaupt keine Rolle spielt, wie viele Kröten sterben, wodurch sie sterben, ob es Kröten überhaupt gibt oder Kammmolche oder Waldkauze.
      Was wir heute als Ökosysteme wahrnehmen sind nur Snapshots. Die Erde hat von 10’000 Jahren anders ausgesehen und sie wird in 10’000 Jahren vollkommen anders aussehen. Die Erde ist ein System im Fluss, es verändert sich, jeden Tag, mit uns wie ohne uns, unaufhaltsam. Schon der Ausdruck „stabiles Ökosystem“ ist ein Oxymoron, ein Widerspruch in sich. Und ob eine Tierart durch den Menschen verursacht ausstirbt oder durch die ständigen natürlichen Veränderungen des Planeten, ist letztlich Jacke wie Hose. Für die Natur spielt das keine Rolle. Jede Art (inkl. uns) hat ihre Zeit, kommt, geht und wird durch andere abgelöst.
      Nein, ich spreche ausdrücklich nicht für Rücksichtslosigkeit gegenüber Mitgeschöpfen. Auch ich befürworte Artenschutz. Aber, meiner Meinung nach sind alle Bestrebungen, den Jetzt-Zustand quasi einzufrieren, indem man bestimmte Tiere oder Pflanzen oder Biotope „rettet“, nichts anderes als Klammern an einen Ist-Zustand, den es nie gab. Und die Motivation hierfür ist letztlich und ausschließlich … sentimental. Auch bei mir.

      Viele Grüsse

      Verfasst von Pierre Cambronne | 14. Juli 2015, 12:44

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