Biologisch-dynamisch mal ganz ausgefuchst

Ökodiktators KolumneLiebe Mitstreiter, ich war mal im Urlaub. Natürlich ganz ökologisch-korrekt. Ganz regional an der Nordseeküste, mit der Bahn, und vor Ort nur zu Fuss und mit den Öffentlichen unterwegs. Wie sich das gehört, Ihr könnt Euch auf mich verlassen.

Wollte mir bei einer geführten Tour durch die Dünen mal die Folgen des Klimawandels auf die Küste anschauen (ansteigender Meeresspiegel und so). War aber leider noch nicht viel zu sehen.

Stattdessen gab es aber von der die Dünentour anführende Biologin und Kollegin reichlich Hinweise auf leckere Wildbeeren in der Heidelandschaft hinter der Düne. Einige Mitwanderer (bzw. deren Kinder) machten sich auch gleich ans Werk, selbstgepflückte Krähenbeeren und Rauschbeeren genussvoll zu verspeisen. Und für Zuhause wurde fleissig die Tupperdose gefüllt. Ernährung direkt aus der Natur, schmeckt natürlich viel besser, und ist auch viel gesünder.

Wobei …

… irgendwie hatte ich kein gutes Gefühl dabei, die Beeren, die in Knöchelhöhe hingen, zu essen. Da war doch was mit? Irgendeine innere Warnlampe leuchtete bei mir ganz heftig. Lies es daher erstmal besser bleiben. Als wir dann ein paar Meter weitergegangen waren, fiel es mir auch wieder ein. Da zeigte uns unsere Führerin nämlich ganz verzückt einen Fuchsbau in den Küstendünen. Da war tatsächlich was mit!

Wo es Füchse gibt, gibt es nämlich auch den Fuchsbandwurm. Und der ist so richtig fies. Die süssen Würmchen fühlen sich nämlich im menschlichen Körper so wohl, dass man sie nie mehr los wird, wenn man sie einmal hat. Die possierlichen Tierchen bauen sich kleine Röhren oder Bläschen in Leber, Lunge oder Gehirn, und zerstören die betroffenen Organe langsam aber zuverlässig. Erste Symptome zeigen sich erst 5-10 Jahre nach der Infektion. Im besten Fall muss man dann lebenslang Medikamente nehmen, um die Ausbreitung zu unterdrücken. Im schlechtesten … na ja. Und da Füchse gerne ihr Revier markieren, und dabei regelmässig Fuchsbandwurmeier mitausscheiden, heisst eine goldene Regel in unseren Wäldern, dass man besser keine Beeren in Knöchelhöhe pflücken und essen sollte. Das kann unerwartet ganz unerquicklich ausgehen. Und ich kann mir offen gesagt kaum vorstellen, dass Dünen-Füchse weniger Drang haben als ihre Vettern in den mitteleuropäischen Wäldern.

Wie fatal, liebe Mitstreiter. Unsere Gläubigen werden am Ende noch biologisch-dynamisch hingerafft. Leben aus der Natur – sterben aus der Natur. Also mehr Vorsicht bitte, bei Empfehlungen zum „natürlichen“ Essen. Bio-dynamisch: ja. Aber bitte nicht aus der Natur, sondern nur vom Biohof!

Wobei, halt! Da war doch auch was mit …

Advertisements

Schlagwörter: , ,

Trackbacks / Pingbacks

  1. Weisskopf-Seeadler oder Uhu? « Ökodiktatur - 16. August 2012

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: