Weisskopf-Seeadler oder Uhu?

Ökodiktators KolumneLiebe Mitstreiter,

wie schon gesagt, ich war mal im Urlaub. Und dabei ist mir unter anderem ein ausgezeichnetes Beispiel für erfolgreich umgesetzte linksökologische Indoktrination über den Weg gelaufen. Diese Erfolgsgeschichte möchte ich gerne mit Euch teilen.

Ich war (mal wieder) in den Dünen. War ’ne nette Tour. Der FÖJler (für Ignoranten: FÖJ = Freiwilliges Ökologisches Jahr), der uns durch die küstennahen Ökosystems führte, hatte das wirklich gut gemacht. Zumindest besser als die Killerbeerentante vom vorangegangenen Mal. Gegen Ende der Dünenwanderung kamen wir dann an eine Stelle, wo zwei unterschiedliche Naturschutzgebiet-Schilder standen. Dort wurde uns folgende Geschichte präsentiert, die ich gerne aus dem Gedächtnis in eigenen Worten wiedergeben möchte.

„Hier sehen sie rechts stehend das im Westen neue Schild für Naturschutzgebiete mit dem Uhu. Dieses hat man aus der DDR übernommen.

Sie kennen sicher eher das bisherige BRD Naturschutzgebiet-Schild, welches noch dort drüben links steht, das auf dem Kopf stehende Dreieck mit grünem Rand und einem fliegenden Weisskopfseeadler in der Mitte. Dieses Schild wurde nach dem Krieg einfach von den USA übernommen, weil man hierzulande keine hatte.

In der DDR war man da weiter, und hatte sich selber eines ausgedacht. Da hat man dann einen einheimischen Vogel genommen, und keinen US-Weisskopfseeadler, den es bei uns sowieso nicht hat.

OK, das DDR-Uhu-Schild sieht schon ein bisschen wie selbstgemalt aus. Das alte BRD-Schild wirkt wesentlich offizieller und verbindlicher. Aber … naja …“

OK, man muss jetzt schon sagen, dass der Seeadler durchaus nach Deutschland gehört, und vor allem in Gebieten der ehemaligen DDR zu finden ist. Nach langen Jahren auf der roten Liste mittlerweile sogar wieder etliche Brutpaare zu finden sind. Allerdings gibt es den Weisskopfseeadler freilebend tatsächlich nur in Nordamerika.

Das Modell politisch-korrekter linksdeutscher Uhu gegen imperialistischen Ami-Adler hinkt also leicht aber passt. Das muss man schon ganz genau nehmen mit dem weissen Kopf. Es geht hier schliesslich um’s Prinzip. Ich möchte nicht wissen, wieviele Menschen in den letzten 60 Jahren nach einem Blick auf das Seeadler-Schild verwirrt in West-Wäldern herumirrten, nach nicht vorhandenen weissköpfigen Greifvögeln Ausschau haltend. Der soziopsychologische Schaden muss enorm gewesen sein.

OK, das alte bundesdeutsche Schild wurde in Wirklichkeit nicht von den USA übernommen, sondern bei der Entwicklung des Schildes in den 50er Jahren, wurde fälschlicherweise die Abbildung eines fliegenden Weisskopfseeadlers als Vorlage verwendet und unreflektiert übertragen. Waren damals wohl Speichellecker der westlichen Besatzungsmächte am Werk.

Und tatsächlich ist das echte, neue, bundesweite Schild eine Fusion aus beiden alten Schildern. Ist aber auch wiederum gar nicht wichtig, Hauptsache der US-Adler ist weg.

Respekt. Da hatte es also ein linksangehauchter Wehrdienstverweigerer vor Jahren erfolgreich geschafft, den Mythos vom undeutschen Seeadler bzw. besseren DDR-Uhu einzupflanzen, und die Geschichte wird bis heute ganz stramm von einer FDJ … äh FÖJ-Naturparkführergeneration zu nächsten weitergegeben und runtergebetet.

Besser geht kaum. Da kann man noch was lernen. Nehmt Euch daran ein Beispiel, meine Lieben!

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