Die Fahrt zum Bäcker ist kein Spaziergang

Achtung SatireVielen Dank, liebe Frau Göring Eckardt, für Ihren unglaublich wertvollen Hinweis, dass die aktuell hohen Benzinpreise durchaus ihr Gutes hätten. In Ihrer Vorstellung entscheidet sich der ein oder andere nun vielleicht öfter dazu, lieber zum Bäcker zu laufen statt zu fahren, um Benzin zu sparen.

Darf ich mal ganz offen fragen, in welcher Realität Sie und Ihre Parteifreunde von den Grünen eigentlich leben, liebe Frau Göring-Eckardt? Die Frage, ob man mit dem Auto zum Bäcker fährt oder lieber läuft mag im urbanen Mikrobiotop politischer Eliten eine fundamentale sein. Für den Rest der Menschen in unserem Land ist sie das leider nicht. Alleine mit Bäckerspaziergängen bekommen wir unsere durch die aktuellen Spritpreise ausgesaugten Portemonnaies wohl nicht wieder voll.

Die hohen Spritpreise treffen nicht die Unnötig-zum-Bäcker-fahrer, sondern vor allem Familien, Berufstätige und ältere Menschen.

Vor allem Familien werden belastet. Weil es für die meisten Einkäufe (vor allem bei preiswerteren Geschäften) und Fahrten zu den Hobbys der Kinder oft keine ernsthaften Alternativen zum Auto gibt. Es wird Sie vielleicht wundern, doch ausserhalb der urbanen Mikrobiotope liegen diese ganzen Dinge in der Regel in einem deutlich grösseren Umkreis als Sie das vielleicht kennen.

Vor allem Berufstätige werden belastet. Weil sie täglich den Spagat leben, einerseits der Anforderung  nach mehr Flexibilität im Job gerecht zu werden und andererseits sich und ihrer Familie ein gesundes soziales Umfeld zu erhalten. Weil sie in der Regel keine Wahl haben, als einen Job in deutlicher Entfernung ihres Wohnortes anzunehmen und zu fahren. Und – es wird Sie vielleicht überraschen, liebe Frau Göring-Eckardt – weil ausserhalb der urbanen Mikrobiotope öffentliche Verkehrsmittel oft keine echte Alternative bieten.

Vor allem ältere Menschen ausserhalb der Metropolen werden belastet. Weil sie oft nicht mehr die Konstitution haben, 3-6 Kilometer zum Einkaufen zu laufen oder zu radeln, und fahren müssen! Denn – es wird Sie vielleicht erneut wundern – ausserhalb der urbanen Mikrobiotope ist die minimale Nahversorgung schon seit vielen Jahren nicht gegeben. Den Bäcker um die Ecke hat es vielleicht noch im Dorf, aber den Supermarkt mit Vollsortiment, Gemüse, Obst, etc. oft nicht mehr.

Für alle diese Menschen könnte sich Ihre Idee sehr realitätsfern und bevormundend anhören, liebe Frau Göring-Eckart. Ich bin mir nicht sicher, ob das in Ihrer Absicht lag?

Übrigens, ich weiss nicht, ob Sie’s wussten. Aber jeder Teilnehmer einer Klimakonferenz verursacht mehr CO2-Belastung als eine vierköpfige Familie in einem Vierteljahr. Man könnte für dasselbe CO2 wohl an die 1.100x im Ort zum Bäcker fahren, bzw. 9,8 Jahre lang sich jeden Samstag und Sonntag mit dem Auto frische Brötchen für die ganze Familie holen.

Das wäre doch eine Idee, warum reisen denn Klimakonferenzteilnehmer eigentlich nicht ökologisch-korrekt an? Mit dem Fahrrad, dem Tretboot, oder … mit einem sprit- und kostensparenden Spaziergang.

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