Mythos Bienensterben

Achtung_Satire_noUnd ewig grüßt das Honigtier. Das sogenannte „Bienensterben“ ist mal wieder da. Wie jedes Jahr im Frühjahr.

Und mit automatisiertem Reflex sind die Schuldigen ausgemacht … die böse Chemie- und die fiese Saatgutindustrie. Pestizide, Herbizide, Beizmittel, Gentechnik … ist doch klar, dass das auch die armen Bienen leiden.

Problem ist nur … faktisch ist gar nichts klar. Mal abgesehen von dem üblichen Greenpeacegequäke, weisen die meisten Tatsachen auf ganz unchemische und ungentechnische Ursachen hin. Es fängt schon damit an, dass die meisten Bienenwissenschaftler – im Gegensatz zu nationalen Imkerlobbys europaweit – das katastrophen-suggerierende Wort „Bienensterben“ gar nicht in den Mund nehmen wollen. Sie sprechen vielmehr von Völkerverlusten, v.a. nach der Überwinterungsphase.

Und nach einhelliger Expertenmeinung gibt es überhaupt keine eindeutige Ursache dafür. Sondern eine Vielzahl von verursachenden Umständen, hier vor allem …

  • die Varroa-Milbe, ein zunehmend verbreiteter Bienenparasit,
  • virale Sekundärerreger, wie das akute Paralysevirus, das Kaschmir-Bienen-Virus, das Sackbrutvirus, das Trübe-Flügel-Virus und das Verkrüppelte-Flügel-Virus,
  • längere Flugwege und damit einhergehende Erschöpfung bei bestimmten angebauten Nutzpflanzen (z.B. Sonnenblumenfelder),
  • ungünstige Witterung, wie zu heiße oder lokal verregnete Sommer, die weniger Futter bieten und die Völker schwächen,
  • Haltungs- und Pflegefehler durch einzelne Imker, z.B. mangelhafte Sauberkeit und unsachgemäßer Einsatz von Milben-Pestiziden und Fungiziden,
  • und zuletzt ist es nach Expertenaussage normal, dass nicht alle Bienenvölker den Winter überleben

Greenpeace hat übrigens vor kurzem noch eine weiteren „Bienen-Killer“ ausgemacht … Balkonpflanzen aus dem Supermarkt. Da spar ich mir jetzt ausnahmsweise einen Kommentar. Da wird die Satire vom realexistierenden Ökowahnsinn links überholt. Hätte ich mir selber nicht besser ausdenken können.

Zurück zum ersten Thema. Für nationale Imkerlobbys ist es natürlich einfacher, Pflanzenschutzunternehmen an den Pranger zu stellen. Diese sind sowieso immer unter Generalverdacht, finanziell ausreichend potent bezüglich möglichen Schadensersatzes sowie seit dem DDT-Hype der 80er übersensibel. So in Frankreich, wo im Gegensatz zu beispielsweise Deutschland die meisten Bienenhalter Erwerbsimker sind, also handfeste und durchaus nachvollziehbare wirtschaftliche Interessen haben … und wo Landwirte auch sonst mal gerne auf den Putz (oder Andere) hauen.

Es hilft nur nichts. Faktische fehlt bisher jeder Beleg, dass Pflanzenschutz- oder Saatgutbeizmittel unter Realbedingungen deutlich zum sogenannten „Bienensterben“ beitragen würden. Punkt.

Beispiel: Der in den letzten Jahren zunehmende Rapsanbau lenkte die Aufmerksamkeit besonders auf die hier eingesetzten Mittel, wie die Beizung des Saatgutes mit Chinook (Imidacloprid-haltige Beize). Ökolobbyisten befürchteten, dass dieses für Bienen giftige Präparat sogar noch im Nektar und Pollen der gebeizten Pflanzen vorhanden sei. In die Völker eingetragen führe es zu deren Schwächung. Umfangreiche Prüfungen konnten aber in keinem Fall einen Effekt auf die Volksentwicklung oder den Honigertrag belegen. Auch konnte das Mittel weder in den Blüten noch im Nektar oder Pollen nachgewiesen werden (Nachweisgrenze < 0,01 mg/kg). Auch treten Völkerverluste in Regionen auf, in denen kaum Raps angebaut wird. Umgekehrt gibt es in intensiven Anbaugebieten Völker, die überhaupt nicht geschädigt sind.

Interessant ist auch die folgende Anekdote. In den 90ern war – statistisch – eine Wanderbewegung des Bienensterbens aus dem westlichen Südeuropa Richtung Norden zu verzeichnen. Daher sprach ich mit einem der renommiertesten Bienenforscher auf der iberischen Halbinsel. Dieser gab mir hinter vorgehaltener Hand zu verstehen, dass beim „Bienensterben“ in manchen südeuropäischen Ländern auch Subventionsbetrug im Spiel sei. Denn für neue Völker gibt es EU-Zuschüsse. Da „sterben“ dann Völker im Frühjahr … und sind im Herbst subventioniert „neu“ da. Auch eine Art Geschäftsmodell. Darf man nur nicht laut sagen, ist politisch viel zu unkorrekt und passt ohnehin nicht ins übliche Feindschema.

Advertisements

Schlagwörter: , , , , , ,

4 responses to “Mythos Bienensterben”

  1. Pierre Cambronne says :

    Habe Link zu WELT-Artikel v. 25.11.2014 ergänzt (s.o.). Danach schließen niederländische Forscher in einer aktuellen Studie Pestizide, Parasiten und den Klimawandel als Hauptursachen für das „Bienensterben“ aus. Die Verfügbarkeit bevorzugter Blütenpflanzen scheint sich dagegen viel stärker auszuwirken. Dies passt zu eigenen Erkenntnissen aus Gesprächen mit Wissenschaftlern vor einigen Jahren, dass beispielsweise bestimmte Blütenpflanzen (z.B. Sonnenblumen) die Bienen beim Sammeln stärker erschöpfen als andere.

  2. Pierre Cambronne says :

    Habe in der Leseliste einen Beitrag von Ulli Kulke bei der „Achse des Guten“ ergänzt … http://www.achgut.com/artikel/ohne_mich_sagte_die_biene_zum_bienensterben

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: