Mythos Chlorhuhn

Achtung_Satire_noEin neuer Mythos macht die Runde und geistert durch Talkshows der Republik.

Das „Chlorhuhn“.

Was ist das eigentlich? Nun, der Begriff „Chlorhuhn“ steht für zwei unterschiedliche Dinge …

  1. Eine in den USA zugelassene und eingesetzte Methode, um geschlachtetes und zum Verkauf angebotenes Geflügel mittels Chlordioxid keimfrei zu machen.
  2. Ein von Kritikern eines Freihandelsabkommens zwischen EU und USA gerne verwendetes Beispiel, um die angebliche Gefahr durch niedrigere Lebensmittelstandards bei Waren aus den USA zu belegen.

Ist das so?

Behauptung: Chlorhuhn = schädlich.

Chlordioxid wird zum Töten von Bakterien auf Oberflächen eingesetzt. Beispielsweise können damit Obst und Gemüse sicher gewaschen, oder kann Fleisch – ohne Beeinträchtigung der Qualität- desinfiziert werden. Es wirkt hierbei schon in sehr geringen Konzentrationen, ist aber für andere Lebewesen weitestgehend ungefährlich. Mit giftigem Chlorgas hat Chlordioxid genauso wenig gemeinsam wie Natriumchlorid (= Kochsalz).

Toxikologische Untersuchungen und über 50 Jahre Einsatz haben gezeigt, dass Chlordioxid und das beim Einsatz entstehende Chlorit in den verwendeten Konzentrationen keine nennenswerte gesundheitliche Auswirkungen auf den Menschen haben. Beim Grillen des Hähnchens entstehen jedenfalls definitiv mehr potenziell schädliche Stoffe, die wir als Geschmacksträger umso genüsslicher in uns herein stopfen.

In den USA wird Chlordioxid erfolgreich und ohne Beeinträchtigungen zur Frischfleischbehandlung eingesetzt. In Europa auf politischen Beschluss des Ministerrates nicht. Dagegen steht die Einschätzung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit, nach der die Desinfektion von Geflügelfleisch mit Chlordioxid unter definierten Anwendungsbedingungen keinen Anlass zu Sicherheitsbedenken gibt.

Weltweit wird Chlordioxid zur Desinfektion von Trinkwasser eingesetzt und ist auch in Deutschland nach §11 der Trinkwasserverordung ausdrücklich zugelassen. Im EU-Land Frankreich wird Salat mit Chlorwasser gewaschen. Bei einem so behandelten, abgepackten Salat wurde in einem Test der Stiftung Warentest die niedrigste Belastung an krankmachenden Keimen gemessen … der Biosalat im selben Test enthielt wiederum besonders viele Keime und wurde mit „mangelhaft“ bewertet.

Behauptung: Europäische und deutsche Lebensmittelstandards sind höher als amerikanische.

Hier spricht (mal wieder) die europäische – und besonders deutsche – Arroganz, Überheblichkeit und Klischeepflege, dass wir angeblich ein viel höheres Bewusstsein für gute Ernährung und viel bessere Verbraucherstandards hätten als die Amis.

Das war und ist schon bei vielen Umweltstandards falsch, bei denen die USA teilweise früher und weiter war als wir. Und bei Lebensmitteln greift das Klischee bei detaillierterer Betrachtung ebenfalls zu kurz. Übrigens, die letzten großen Lebensmittelskandale waren nicht in den USA, sondern bei uns.

Nebenbei gesagt geht die größte Gefahr für die Gesundheit des Verbrauchers ohnehin von unbehandelten Nahrungsmitteln aus (siehe u.a. oben erwähnten Test der Stiftung Warentest). Aber das Thema verdient einen separaten Beitrag.

Fazit

Hören Sie nicht auf zu denken, liebe Leser. Lassen Sie sich nie von einfachen Aussagen oder gebetsmühlenhaftig wiederholten Mythen, wie dem „Chlorhuhn“, abspeisen. Bleiben Sie weiter wach …

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