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Industrie flieht vor dem Atomausstieg

Achtung_Satire_noEs gibt Anzeichen, dass große Industrieunternehmen darüber nachdenken, sich wegen der durch den kurzfristigen Atomausstieg verursachten, steigenden Energiekosten mittel- bis langfristig von deutschen Standorten zurück zu ziehen.

Die britische Zeitung ‚The Guardian‘ zitiert in einem aktuellen Artikel Martijn Dekkers, den Vorstandsvorsitzenden der Bayer AG: „Es ist wichtig, dass wir im Vergleich mit anderen Ländern wettbewerbsfähig bleiben. Ansonsten kann sich ein globales Unternehmen wie Bayer überlegen, seine Produktion in Länder mit niedrigeren Energiekosten zu verlagern.“

In dem zitierten Interview der Wirtschaftswoche mit Marjin Dekkers sagte dieser darüber hinaus, dass die deutschen Strompreise heute bereits die höchsten in der EU seien, und Deutschland als Produktionsstandort für die energieintensive Chemieindustrie unattraktiver machen. Schon von den bisher 4.500 geplanten Stellenstreichungen träfen 1.700 Deutschland. Neue Investitionen fänden dagegen inzwischen vor allem in „emerging countries“ wie Brasilien, Indien, Russland und China statt. Dort würden 2.500 neue Jobs geschaffen.

Ebenfalls kritisch äußerte sich auch Robert Hoffmann, Chef des Telekommunikationsunternehmens 1&1. Hoffmann sagte, dass die Steuerbelastung zur Finanzierung erneuerbarer Energien in Deutschland zu hoch sei. Sein Unternehmen beziehe bereits Strom aus norwegischen Wasserkraftwerken, müsse aber trotzdem zusätzlich einen Kostenbeitrag für die deutschen erneuerbaren Energien leisten.

Auch der Energiekonzern Eon will – Berichten der Süddeutschen Zeitung und des Spiegels zufolge – als vom Atomausstieg unmittelbar betroffenes Unternehmen drei Standorte schließen und tausende Arbeitsplätze streichen. Zitat aus der korrespondierenden Nachricht in der SZ: „Der Energieriese Eon steht nach dem beschleunigten Atomausstieg in Deutschland offenbar vor einem drastischen Stellenabbau. Nach Information der Süddeutschen Zeitung erwägt das Unternehmen den Abbau von bis zu 10.000 Stellen weltweit – mehr als zehn Prozent der gesamten Belegschaft.“ Ein Drittel davon in Deutschland.

Mit Bayer meldet sich jetzt allerdings ein prominentes Nichtenergieunternehmen zu Wort, welches zwar nicht direkt aber doch von den zwangsläufigen Folgekosten betroffen ist, die bisher nur als imaginäre Zahlen durch den Blätterwald schwirrten. Ist das nur mediales Säbelrasseln einer Industrie, welche die politischen Vorgaben bisher eher handzahm ertrug? Oder wächst sich das zu einem ernstzunehmenden Problem für den Hochtechnologiestandort Deutschland – und davon abhängig den deutschen Arbeitsmarkt – aus?

Selbstverständlich schaffen auch die Investitionen in die erneuerbaren Energien neue Arbeitsplätze, diesen Ball will ich bereits vorausschauend gerne aufnehmen. Aber werden diese – realistisch betrachtet – tatsächlich dieselbe Größenordnung erreichen, wie die Anzahl verlorener Arbeitsplätze bei Bayer und Co? Wohl kaum! Selbst bei blauäugigster Schätzung nicht annähernd. Bereits heute kommt ein Großteil der verbauten Solarmodule aus … China.

Auf der anderen Seite verläßt mit Bayer natürlich ein Unternehmen der „bösen“ Chemieindustrie Deutschland. Also für den aufrechten Ökoaktivisten wohl eher ein Gewinn an ideeller Reinheit, der ihm den Verlust an realen Arbeitsplätzen womöglich wert sein wird. Bedenklich erscheint jedoch, dass sich zunehmend auch die ausländische Presse (in diesem Fall ‚The Guardian‘) dem Thema kurzfristiger deutscher Atomausstieg und seine Folgen widmet, und diese Botschaften für Neuinvestoren nicht gerade einladend wirken werden. Mögliche Konsequenz: die Einen gehen, die Anderen kommen nicht.

Über die erwarteten Strompreissteigerungen in Folge des kurzfristigen Ausstiegs aus der Atomenergie in Deutschland wurde in diesem Blog auch schon an anderer Stelle berichtet: „Atomausstieg kostet 335 Milliarden„.

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